Mittwoch, 24. Januar 2007

Des is klassisch

Vor vielen Jahren fuhr eine junge Frau in der Wiener U-Bahn, vertieft in ein gelbes Reclam-Büchlein. Kurz vor der Sation am Stephansplatz streckte die gegenübersitzende ältere Dame ihre Hand aus, hob das Geschicht der jungen Frau an und fragte: "Ist es denn wirklich so komisch?" Die junge Frau war natürlich ich, in meinem ersten Studienjahr der Theaterwissenschaft. Zum endlosen Schmunzel brachte mich Nestroys "Einen Jux will er sich machen". Damals wie heute bringt Nestroys Wortwitz meine Ganglien zum Summen.

Die Figuren Leim, Zwirn und Knieriem aus seiner Zauberposse "Der böse Geist Lumpazivagabundus" waren mir bereits im Volksschulalter vertraut, nicht durchs Lesen, aber durch Antels Verfilmung. Der Kampf zwischen den Göttinnen Fortuna und Amorosa, das Kommen des großes Komets, und allein schon das Wort Lumpazivagabundus brachten meine kindliche Phantasie gehörig ins Laufen.

Mein Herz erobert hat auch Titus Feuerfuchs, in Der Talisman. Der Rotschopf der mittel schwarzer Perücke seinem Aussenseitertum zu entgehen versucht. Hier, wie bei noch unzähligen anderen Fiiguren des guten Johann Nepomuk Eduard Ambrosius, bringt allein schon der sprechende Name ein Lächeln mit sich: Flora Baumscheer, Gärtnerin; Georg Michael Zins, ein Hausherr (aus: Zu ebener Erde und erster Stock), Frau von Erbsenstein, Kornhändlerswitwe (aus: Das Mädl aus der Vorstadt), Herr von Scheitermann, Holzhändler (aus: Frühere Verhältnisse) oder Gluthammer, ein Schlosser (aus: Der Zerissene).

Geliebt von mir auch die Couplets, die Liedereinlagen, die benutzt wurden um die allgegenwärtige Zensur Metternichs zu umgehen, und die auch in heutigen Inszenierungen für frischen Wind sorgen.

Wehmut überkommt mich, wenn ich an Nestroys Personalunion als Schauspieler und Dramatiker denke. Ihn hätte ich wirklich mal gern "live" auf der Bühne gesehen.

Eine Hommage an Nestroy kann dies nicht werden, den wenig künstlerisch mutet mein Schreiben an. Soviel ich wei, wurde nur "Der Jux" in Englische übersetzt (Tom Stoppard "On The Razzle"), zu sehr sperrt sich der Lokalkolorit gegen die Verpflanzung. Aber selbst bei Aufführungen im Norddeutschland wird an seinem Text gefeilt, um ihn dem Publikum verständlich zu machen. Es würde mich aber freuen, wenn sich auch jetzt noch eine junges Mädchen in Wien, ein Reclambüchlein für die nächste U-Bahnfahrt in ihre Tasche stecken sollte.

Für alle Online-Freaks, hier ein der Link zu der Nestroypage des Projekt Gutenberg.

Dienstag, 23. Januar 2007

Der Thespiskarren kommt ins Rollen


Habe mich entschlossen meine theaterspezifischen Einträge in einem eigenen Blog zu sammeln – ist ja genug Platz auf so einem Thespiskarren. Die Referenz auf Thespis, dem Vater des griechischen Dramas, bringt zum Ausdruck, daß die Wiederbeschäftigung mit dem Theater mir einer Heimkehr ins Vaterhaus gleichkommt. Jahre an Windelwechseln und Internet Research ließen wenig Zeit. Erinnert sei auch in das bei der Promotion abgelegte Versprechen, der Universität (Alma Mater Rudolphina) und der Theaterwissenschaft verbunden zu bleiben. Dunkel erinnere ich mich an einen Teil der Formel, in der es hieß Dinge zu unterlassen, die das Ansehen der Uni und des Faches schädigen könnten. Nun dafür lege ich nicht meine Hand ins Feuer, so ganz auf der Höhe des Faches bin ich doch nicht mehr.